Mindestlohn Reinigungskräfte: Lohngleichheit in Ost und West

Neben dem gesetzlichen Mindestlohn von derzeit 9,35 Euro gibt es in einigen Branchen wie beispielsweise dem Gebäudereiniger-Handwerk abweichende Vereinbarungen. Im Januar 2020 stieg der allgemeinverbindliche Mindestlohn für Reinigungskräfte in Ost und West in allen Lohngruppen an und bis 2023 sind weitere Erhöhungen geplant.

Nach vier Verhandlungsrunden: Beilegung im Tarifstreit

Die Verhandlungen des BIV (Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks) und der IG BAU (Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt endeten mit einer guten Nachricht. Derzeit liegt der Mindestsatz in der untersten Lohngruppe 1 bei 10,80 Euro, insgesamt soll der Mindestlohn für Reinigungskräfte zukünftig in drei Stufen um insgesamt 11 Prozent steigen:

  • ab 2021: 11,11 Euro (+ 2,9 Prozent)
  • ab 2022: 11,55 Euro (+ 3,9 Prozent)
  • ab 2023: 12 Euro (+ 3,9 Prozent)

Damit ist der Mindestsatz in dieser Branche deutlich höher als der gesetzliche Mindestlohn von derzeit 9,35 Euro. Zudem sieht die Einigung im Tarifstreit eine deutliche Lohnsteigerung für gelernte Arbeitnehmer vor. Glas- und Fassadenreiniger profitieren von einer Lohnsteigerung von insgesamt 7,6 Prozent und erhalten somit nach der dritten Erhöhung 15,20 Euro pro Stunde (ab 2023). Für die OP-Reinigung sieht die Tarifeinigung eine Lohnerhöhung um insgesamt 8,7 Prozent vor.

Einheitlicher Stundenlohn ab Dezember 2020

In Deutschland arbeiten rund eine Million Arbeitnehmer in der Gebäudereinigungsbranche. Das Bundeskabinett billigte im Februar 2018 die Mindestlohnverordnungen Gebäudereiniger, tarifliche Mindestlöhne gelten in der Regel als allgemeinverbindlich. Aus diesem Grund gelten diese Mindestlöhne daher voraussichtlich auch für Arbeitnehmer in Betrieben, die nicht an Tarifverträge gebunden sind. Somit erhalten auch die Arbeitnehmer in diesen Unternehmen zukünftig den tariflich vereinbarten Mindestlohn für Reinigungskräfte. Zudem gelten die Tarifvereinbarungen auch für Beschäftigte von ausländischen Unternehmen, die in Deutschland arbeiten.

Angleichung der Mindestsätze in Ost und West

Im Januar stieg der Mindestlohn für Reinigungskräfte in der Lohngruppe 1 auf 10,80 Euro im Westen (bisher: 10,56 Euro) und 10,55 Euro im Osten (bisher: 10,05 Euro). Seit Dezember 2020 gilt nun ein bundeseinheitlicher Mindestlohn für Reinigungskräfte, die Aufteilung in Ost und West gehört damit der Vergangenheit an. Dies gilt auch für die Ausbildungsvergütungen, die seit Dezember 2020 ebenfalls bundeseinheitlich geregelt sind:

  • 1. Ausbildungsjahr: 725 Euro
  • 2. Ausbildungsjahr: 860 Euro
  • 3. Ausbildungsjahr: 1.000 Euro

Faire Entlohnung der Beschäftigten

Der ausgehandelte Mindestlohn für Reinigungskräfte gilt jedoch nicht ausnahmslos für alle Beschäftigten. Ausgenommen sind:

  • Auszubildende
  • Minderjährige ohne abgeschlossene Berufsausbildung
  • Ehrenamtliche
  • Praktikanten (unter bestimmten Bedingungen)
  • Langzeitarbeitslose (für die ersten sechs Monate des Beschäftigungsverhältnisses)
  • Arbeitnehmer in Ausbildungsvorbereitung bzw. Einstiegsqualifizierung (nach Sozialgesetzbuch bzw. Berufsbildungsgesetz / BBiG)

Beide Tarifpartner zeigten sich mit den Ergebnissen der Tarifverhandlungen weitgehend zufrieden und bezeichneten das Verhandlungsergebnis als Tarifvertrag der Vernunft. Die Arbeitgeberseite sieht den Vertrag zwar als Abschluss am Rande des Machbaren an, zeigte sich jedoch mit der Planungssicherheit aufgrund der stufenweisen Anpassung durchaus zufrieden. Auf der anderen Seite kritisierte die IG BAU die fehlgeschlagene Einigung auf ein allgemeines Weihnachtsgeld. Allerdings wertete die Verhandlungsführerin der IG BAU die Vereinbarung zum Mindestlohn für Reinigungskräfte als wichtigen Schritt auf dem Weg aus dem Niedriglohnsektor.

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Tariflicher Mindestlohn Reinigungskräfte

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Tariflicher Mindestlohn Reinigungskräfte

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